Einkauf
Geschäft

Einkauf 2026: Sieben aufkommende Trends

KI revolutioniert Geschäftsprozesse, einschließlich der Bereiche Beschaffung und Supply Chain Management. Die Algorithmen verbessern komplette Abläufe, erweitern fortlaufend ihr Wissen und Agenten nehmen sogar selbständig Entscheidungen vor. Der Procurement-Spezialist JAGGAER demonstriert anhand aktueller Studien, wie Einkaufsteams im Jahr 2026 von den neuen Technologien profitieren können.

Unternehmen sind aufgrund von Märkten mit hoher Volatilität, steigenden Kosten und strengeren ESG-Vorgaben dazu gezwungen, eine Überprüfung ihrer Beschaffungsstrategien vorzunehmen. Das bedeutet für Verantwortliche aus dem Bereich Beschaffung und Supply Chain: Einsparpotenziale aufdecken, Lieferketten robuster gestalten und durch Automatisierung noch effizienter werden. Die nachstehenden sieben Trends werfen einen Blick auf technologische Fortschritte, die dazu beitragen:

Multiagentensysteme gewinnen an Bedeutung

Nach GenAI kam Agentic AI, und die nächste Stufe der Entwicklung sind Multiagent-Systeme. Das Beratungshaus Gartner ist davon überzeugt und listet diese unter seinen »Top Strategic Predictions«. Gene Alavarez, ein VP Analyst von Gartner mit herausragender Auszeichnung, erläuterte auf dem diesjährigen IT-Symposium: „Die Implementierung von Multiagentensystemen stellt für Unternehmen eine praktische Option dar, um komplexe Geschäftsprozesse zu automatisieren, die Weiterbildung von Teams voranzutreiben und neue Formen der Interaktion zwischen Menschen und KI-Agenten zu etablieren.“

Einzelne KI-Agenten nehmen bereits heute Aufgaben im Bereich Sourcing, Contracting oder Risk Management wahr. »Es ist allerdings zu erwarten, dass ein Team interagierender Software-Agenten in der nahen Zukunft vollständige Beschaffungszyklen vom Verhandlung bis zur Zahlungsphase gänzlich autonom abwickeln kann. „Sogar reine Verhandlungen von Agent zu Agent sind möglich“, erläutert Jochen Krüger, Vice President Sales DACH bei JAGGAER. »Deshalb ist es sinnvoll, einen ganzheitlichen Ansatz zu wählen und Technologie-Anbieter bereits jetzt auf ihre Multiagenten-Fähigkeiten zu prüfen.«

Es bleibt abzuwarten, wie schnell Software-Agenten komplexe Prozesse vollständig autonom übernehmen können. Weil ein Großteil der Firmen noch nicht mal bei Agentic AI angekommen ist, zeigt eine Studie von Deloitte, dass 90 Prozent von ihnen sich momentan gerade erst mit GenAI auseinandersetzen.

Virtuelle Assistenten entwickeln sich zu fähigen Partnern

Viele Manager beschäftigen sich dabei mit der Frage, wie sie ihre Mitarbeiter auf die zunehmende Nutzung von KI vorbereiten können. Laut einer Studie von NTT Data aus dem April 2025 glauben zwei Drittel der Fertigungsunternehmen, dass ihren Mitarbeitenden das erforderliche Wissen fehlt, um KI-Lösungen effektiv zu nutzen.

Hier kommen smarte, auf künstlicher Intelligenz basierende Helfer ins Spiel, die Usern aktiv helfen und ihnen Anleitung geben. Zum Beispiel dadurch, dass der Assistent im Workflow der Beschaffungssoftware kontextbezogene Hinweise gibt oder Fragen zum jeweiligen Prozessschritt in natürlicher Sprache beantwortet. Auch kann der Assistent vorschlagen, eine Aufgabe unmittelbar zu übernehmen, wie beispielsweise eine Filterung der Lieferantenliste nach Status vorzunehmen.

Digitalisierung trägt zur Bewältigung von Krisen bei

Fast 50 % der Unternehmen, die vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) befragt wurden, geben an, dass sie von den gegenwärtigen Krisen stark oder existenzbedrohend betroffen sind. Die Studie, die in Zusammenarbeit mit der ERA Group durchgeführt wurde, ergab jedoch auch Folgendes: In Krisenzeiten ist die Automatisierung entscheidend dafür, Herausforderungen zu bewältigen. Der BME sieht den Ausbau digitaler Prozesse neben der Kostenoptimierung und strategischen Diversifizierung als einen der drei wichtigsten Hebel zur Krisenbewältigung.

Etwa 76 Prozent der Unternehmen planen deshalb Investitionen in Automatisierung und Digitalisierung. Wer Sourcing, Onboarding, Vertragsgestaltung, Einkauf, Rechnungsstellung und Zahlungsabwicklung schrittweise in einer Source-to-Pay-Plattform zusammenführt, kommt dem Ziel von vollständig papierlosen, standardisierten und datengetriebenen Beschaffungsprozessen näher. Jede Phase hilft dabei, den administrativen Aufwand zu verringern, Fehler zu minimieren und die Durchlaufzeiten zu verkürzen. Und das rechnet sich!

Einsparungen werden durch Data Analytics unterstützt

Auch im Jahr 2026 ist es eine der größten Herausforderungen, die Ausgaben zu reduzieren. Laut der Untersuchung von Hackett Group zum Thema Beschaffung im Jahr 2025 haben Firmen vor, ihre Fähigkeiten im Bereich Spend Analytics auszubauen und in den nächsten drei Jahren verstärkt auf moderne Datenanalysen zu setzen. Um dies zu erreichen, müssen Daten aus verschiedenen ERP-Lösungen, Plattformen und Systemen über Abteilungen, Warengruppen und Zeiträume hinweg integriert werden. Ineffizienzen können nur dann aufgedeckt und Einsparpotenziale identifiziert werden, wenn eine „Single-Source-of-Truth“ vorhanden ist. Dies ist durch zentrale Dashboards und KI-gestützte Prognosen möglich.

Reine Stammdaten werden zum Gamechanger

Es genügt jedoch nicht, nur Daten zusammenzuführen. Wie eine Umfrage auf dem BME-Symposium im November dieses Jahres ergab, werden Digitalisierungsprojekte durch eine mangelhafte Qualität der Stammdaten und fehlende Datenharmonisierung erheblich verzögert. »Mit inkonsistenten Daten können moderne KI-Modelle durchaus umgehen, und sie sind in der Lage, Lücken durch Interpolation zu schließen. Im privaten Bereich mag das genügen, aber im geschäftlichen Kontext sind derartige Schätzungen nicht hinnehmbar. „Denn sie können zu falschen oder nicht nachvollziehbaren Schlüssen führen“, betont Jochen Krüger. »Zunächst sollten Unternehmen ihre Daten im gesamten Netzwerk bereinigen und grundlegende Informationen zu Ausgaben, Lieferanten und Verträgen harmonisieren. Nur mit einer verlässlichen und vereinheitlichten Datenbasis können KI-gestützte Agenten Ausgaben-Hotspots sicher identifizieren und präzise Handlungsempfehlungen geben.

Strategisches Sourcing trägt zur Resilienzsteigerung bei

Laut der Deloitte CPO-Studie 2025 identifizieren Procurement Manager drei Hauptbereiche, in denen Risiken effektiv reduziert werden können: Nutzung alternativer Bezugsquellen (74 Prozent), Verbesserung der Transparenz in der Lieferkette (64 Prozent) und Optimierung des Informationsaustauschs sowie der Zusammenarbeit mit Lieferanten (61 Prozent).

Mit modernen S2P-Plattformen ist es möglich, verschiedene Sourcing-Szenarien zu simulieren und Single-, Dual- oder Multi-Source zu vergleichen. Auf diese Weise können die Risiken eines möglichen Krisengeschehens in Bezug auf Kosten, Qualität oder Lieferfähigkeit eingeschätzt werden. Ein Abgleich für einzelne Artikel oder auch gesamte Produktkategorien schafft Durchblick und unterstützt dabei, die optimale Vorgehensweise festzustellen.

Die Lieferkette wird durch nachhaltiges Handeln geprägt

Selbst wenn Brüssel noch Anpassungen vornimmt, wird für einige Unternehmen die EU-Deklaration zur Entwaldungsregulierung (EUDR) bereits 2026 verpflichtend, und der digitale Produktpass tritt je nach Branche ab Februar 2027 in Kraft. Selbst wenn die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) nur für Großunternehmen gilt, ist zu erwarten, dass die strengeren Regelungen in die Lieferkette weitergegeben werden. Es ist nicht überraschend, dass ESG einer Studie von PwC zufolge zu den drei wichtigsten Prioritäten von CPOs gehört.

ESG-Intelligence-Lösungen gewinnen dadurch an Bedeutung. Sie binden Daten von Spezialanbietern wie Carbmee und IntegrityNext, Nachhaltigkeitsratings und Scorecards in den Source-to-Pay-Prozess ein. Dadurch kann nicht nur die Einhaltung der HSE dokumentiert werden. Risikoscores für CO₂-Emissionen oder Standorte in Hochrisikoregionen tragen dazu bei, negative Folgen wie Kostensteigerungen und Lieferschwierigkeiten frühzeitig zu erkennen.

Schlussfolgerung

Die sieben präsentierten Trends verdeutlichen, welches Potenzial umfassende Analysen und künstliche Intelligenz für den Einkauf bieten. »Die Digitalisierung des Beschaffungswesens voranzutreiben, eröffnet nicht nur die Möglichkeit, Einsparungen zu realisieren. „Moderne Plattformen unterstützen auch dabei, das Geschäft robuster zu gestalten, Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und Risiken in der Lieferkette zu minimieren“, erläutert Jochen Krüger, VP bei JAGGAER.